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Seit Sommer 2020 bewegte mich die Frage, ob ich mein Leipziger Allerlei auch vor laufender Kamera kochen kann. Die telefonische Anfrage vom MDR erreichte mich in den Bergen am Königsee, als ich mich gerade zur Jause nieder lies. Ich sagte zu, ohne zu wissen, was da wirklich auf mich zu kommen würde. Eine zeitlang ruhte das Projekt, weil wir aus verschiedenen Gründen den Filmdreh ins Frühjahr 2021 verschieben mussten. Bis zuletzt wurde viel am “Drehbuch” herumradiert, jede Woche aufs neue die bange Frage in den Raum gestellt, ob wir trotz Corona wirklich loslegen können oder nicht doch in letzter Minute alles platzen wird. Am 21.4.21 war es dann so weit. Die Temperaturen lagen zwar immer noch deutlich unter meinem Wohlfühlbereich, aber der Himmel zeigte sich im allerschönsten Blau, Adrenalin schoss durch die Adern und der vor sich hin schlummernde Tatendrang erwachte aus dem Tiefschlaf. Christiane (Redaktion), Matthias (Kamera) und Jonathan (Ton) haben alles dafür getan, dass ich mich mit meinen neuen Herausforderungen wohlfühlte und der Dreh schnell voran ging. Was im Film in wenigen Minuten erzählt ist, brauchte für meinen Part einen ganzen langen Drehtag von 9-19 Uhr. Die größte Hürde war, in einer fremden Küche zu kochen. Ich musste alles suchen, die Wege sind weiter, Pfannen und Töpfe sind größer als daheim, die Geräte funktionieren anders. Kurz, ich wurde nervös und konnte überhaupt nicht mehr klar denken. Das Rezept habe ich völlig vergessen und musste ständig spicken, obwohl ich es auswendig kenne.

Eine Interview-Frage von Christiane war, welche Bedeutung das Leipziger Allerlei für die Stadt hat. Die möchte ich hier gern noch einmal beantworten, weil das im Film nicht gezeigt wurde.  Ein Allerlei ist für mich eine Auswahl von erlesenen Zutaten: von jedem etwas, aber trotzdem bescheiden, es ist bunt und vielfältig. Das trifft sich gut mit der Leipziger Mentalität und dem Geist, den diese Stadt umgibt. Als Tradition kann man das Essen nicht wirklich bezeichnen. Wenn es um den Festtagsbraten geht, kommt wohl kaum jemand auf die Idee ein Allerlei zu zaubern. Eigentlich schade und allerhöchste Zeit, sich dem wieder anzunähern. Meiner Meinung nach  könnte man viel mehr aus dieser Geschichte herausholen und sich mit dieser fast verschwundenen Tradition selbstbewusst zeigen.

Zuletzt zwei Empfehlungen für alle, die das Leipziger Allerelei nur aus der Konserve kennen und es gern mal richtig essen wollen: 
das Restaurant Johann S. hat es nach Origninalrezpt mit Flusskrebsen und Morcheln auf seiner Speisekarte und
im Restaurant Mein Leipzig  interpretiert man das Gericht liebevoll auf seine ganz eigene Weise.